Orientierung - wohin wollen wir?
Gerald Hüther und Gerhard Luhn
- Warum können wir miteinader reden?
- Wie entstanden unsere Werte - unsere Autonomie und gegenseitige Verbundenheit?
- Wie ist es möglich, Weltbilder zu erschaffen, die uns befreien oder auch komplett beherrschen?
- Wie kann es weitergehen - wie ist weiteres Wachstum möglich?
noch mehr: https://www.ossietzky.net/artikel/orientierung-im-denken/
https://www.ossietzky.net/artikel/freiheitswissen/
1. Schon vor langer Zeit:
Die Umwelt veränderte sich und unsere Vorfahren erschlossen neue Nahrungesquellen. Das führte zum aufrechten Gang und zu einem vergrößerten Gerhin. Wir erfanden die Gestik und damit eine »Kommunikation«, die gleichzeitig eine eindringlich erlebbare »Bewertung« lieferte. Die Erfindung von »Wahrhaftigkeit«!
Wie Kristalle ihre formvollendeten Körper erzeugen, so entstand die Sprache nach dem Prinzip der minimalen Energie.
Die Formen der Fische und die Spiegelneuronen des Gehirns folgen diesem Prinzip.
2. Autonomie und Verbundenheit = Freiheitswissen
Unsere Vorfahren machten in extremer Weise von der Möglichkeit Gebrauch, ein Bild der eigenen Gruppe aufzubauen, in dem jeder jeden auf eine Art »kannte«, die gleichzeitig seine Freiheit erschafft und damit aber auch eine bisher so nicht betrachtete Verbundenheit aufbaut. Genau deshalb steigt dann auch das Kommunikationsaufkommen – und genau in diesem Spannungsfeld entsteht die einzigartige menschliche Sprache.
Erstmals entstehen »Weltbilder«, die wie Denkrutschbahnen wirken und ungeheure Fortschritte unserer Vorfahren ermöglichten.
3. Wiedererstarken des hierachischen Denkens
Durch schwierigere Lebensbedingungen und durch die Erfindung der Agrarkultur forciert der Mensch wieder »altbekannte« hierarchische Strukturen (unser Primatenerbe).
Wir entkoppelten uns vom Prinzip der minimalen Energie und damit vom Grundprinzip unserer Werte!
So konnten wir es uns ein enorm energieaufwändiges Zusammenleben leisten: voller Konflikte, Überfällen und Unterdrückung, ständigen Kriegen und einer Wirtschaft, die als einziges Ziel ihre Selbsterhaltung durch fortwährendes Wachstum anstrebt.
4. Wohin wollen wir?
Wir haben warme Wohnungen geschaffen, die Waschmaschine erfunden und das Auto. Wir haben Schreiben und Lesen gelernt. Die Nahrungsmittelproduktion machte entscheidende Fortschritte. Schwere Arbeiten werden von Maschinen erledigt. Die Menschenwürde wurde im Grundgesetz verankert. Längst ist uns klar, dass die Ausbeutung von Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen den zukünftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung stehen. Die entscheidende Frage ist:
Wie kann es weiteres Wachstum ohne Erhöhung des Energieverbrauchs geben?
Je mehr unsere Verbundenheit abnimmt, desto inflexibler wird das System und desto größer wird die Tendenz zur Vorratshaltung (nur der Mensch ist dazu in der Lage, prinzipiell unendliche Reichtümer anhäufen zu können und sogar auch zu wollen).
Der Kleidungshersteller Wolfgang Grupp kritisiert das auf Verantwortungsflucht und Gewinnmaximierung ausgelegte Wirtschaftssystem. Er beklagt die Raffgier und Un-Verantwortlichkeit von Managern, die Arbeitsplätze nicht mit Blick auf die Menschen, sondern lediglich mit Blick auf Produktionskosten planen – und das auch oft noch schlecht.
Das alles forciert weitere Ressourcen-/ Energieverbräuche. Bis heute ist unklar und nicht diskutiert, wie und wann wir tatsächlich aus dem Streben nach ökonomischem Wachstum herauskommen.
Dabei ist die Anwort einfach: Wir haben die Sprache und die menschlichen Werte (Fairness, Gleichberechtigung) erfunden, weil wir die Vergrößerung der Handlungsmöglichkeiten der anderen Menschen vorantreiben – und damit gleichzeitig unsere Autonomie und unsere Verbundenheit erhöhen.
Jeder von uns kennt bereits die Anwort. Viele Menschen engagieren sich und bekäpfen die zunehmende Einsamkeit (Diana Kinnert), oder engagieren sich in Initiativen zur besseren Bildung (Margret Rasfeld).
Ja, es ist sogar ein enormes weiteres Wachstum möglich. Wenn wir nur unseren inneren Orientierungsmaßstab etwas anders ausrichten, werden wir den Erfolg sofort spüren. Jeder von uns.